Ablaufschema Rechnungslegung

Übersicht der entsprechenden Phasen (Selektion / Durchsicht, Vorabklärung / Untersuchung oder Einigung / Sanktion).

Ablaufschema Rechnungslegung

Selektion / Durchsicht

Selektion

Die Auswahl der Jahres- und Halbjahresabschlüsse wird aufgrund einer risikobasierten Einschätzung durch SIX Exchange Regulation getroffen, wobei insbesondere auf die folgenden Kriterien eines Emittenten abgestützt wird:

  • Neukotierung oder Erstanwender eines Rechnungslegungsstandards 
  • Wesentliche Veränderung der Geschäftstätigkeit / Unternehmensstruktur
  • Wechsel in der Unternehmensführung (CEO / CFO) 
  • Einschränkung im Testat des Revisionsorgans

Zusätzlich wird eine gewisse Anzahl Abschlüsse dahingehend ausgewählt, als dass die Rechnungslegung eines Emittenten in der Regel alle fünf Jahre (für International Reporting Standard), bzw. zehn Jahre (für restliche Standards) einer Überprüfung durch SIX Exchange Regulation unterzogen wird. 

Durchsicht

Der Jahres- oder Zwischenabschluss eines selektionierten Emittenten wird nach einem risikoorientierten Vorgehen auf Übereinstimmung mit dem gewählten Rechnungslegungsstandard durchgesehen. Die Durchsicht konzentriert sich insbesondere auf folgende rechnungslegungstechnischen Gegebenheiten:

  • Standards, welche aufgrund der unternehmensspezifischen Konstellation bzw. Situation als besonders kritisch eingestuft werden
  • Standards, welche vorgängig als Schwerpunkte definiert wurden 
  • Standards, welche aus Erfahrung als besonders fehlerträchtig gelten (siehe dazu auch IFRS-Rundschreiben Nr 2) 
  • Standards, welche erstmals angewandt wurden / anwendbar waren

Vorabklärung / Untersuchung

Keine Vorabklärung / Direct Comment Letter

Finden sich bei der risikoorientierten Durchsicht der Abschlüsse keine Hinweise, welche eine Vorabklärung durch SIX Exchange Regulation rechtfertigen würden, so wird dies dem Emittenten mittels einem «Direct Comment Letter» mitgeteilt. In einem «Direct Comment Letter» können auch Empfehlungen zur Verbesserung der Qualität der Rechnungslegung kommuniziert werden. 

Vorabklärung

Eine Vorabklärung wird eingeleitet, wenn Hinweise ersichtlich sind, welche auf mögliche Verstösse gegen die Rechnungslegungsvorschriften hindeuten. Vorabklärungen erfolgen in schriftlicher Form durch SIX Exchange Regulation und beinhalten Fragen der zuständigen Rechnungslegungsspezialisten unter Ansetzung einer Frist (Art. 2.4 Verfahrensordnung) zu deren Beantwortung. Auf begründeten Antrag hin ist eine einmalige Fristerstreckung möglich. 

Untersuchung

Besteht der Verdacht auf sanktionswürdige Verstösse gegen die Rechnungslegungsvorschriften, eröffnet SIX Exchange Regulation eine Untersuchung. Untersuchungseröffnungen werden erst zu dem Zeitpunkt kommuniziert, wenn ein Sanktionsbescheid an den Emittenten oder ein Sanktionsantrag an die Sanktionskommission versandt worden ist. 

Comment Letter

Die Feststellungen einer Vorabkärung oder Untersuchung werden, falls es sich dabei nicht um sanktionswürdige Verstösse handelt, dem Emittenten schriftlich in Form eines «Comment Letters» mitgeteilt. Dabei wird von SIX Exchange Regulation zwischen empfohlenen sowie erwarteten Anpassungen in der zukünftigen Finanzberichterstattung des Emittenten unterschieden. Weiter werden die in den «Comment Letters» enthaltenen Feststellungen zusammengefasst in einem einmal jährlich überarbeiteten IFRS-Rundschreiben veröffentlicht. 

Einigung / Sanktion

Einigung

Gemäss Verfahrensordnung hat SIX Exchange Regulation die Kompetenz, Sanktionsverfahren durch eine Einigung abzuschliessen. Einigungen sind unter anderem dann zulässig, wenn damit gegenüber einem ordentlich abgeschlossenen Sanktionsverfahren eine schnellere oder bessere Information der Öffentlichkeit erreicht wird. Wurde ein Emittent in den vorangegangenen drei Jahren sanktioniert oder liegt ein schwerer Verstoss vor, so ist eine Einigung nicht möglich. Sämtliche Einigungen müssen publiziert werden.

Sanktionsbescheid / Entscheid

Ist eine Einigung nicht möglich, so kann SIX Exchange Regulation im Rahmen eines Sanktionsbescheids einen Verweis oder eine Busse aussprechen. Nach Erlangen der Rechtskraft wird der Sanktionsbescheid publiziert.
Ist bei einem sanktionswürdigen Verstoss gegen die Rechnungslegungsvorschriften weder eine Einigung noch ein Sanktionsbescheid möglich, so erstellt SIX Exchange Regulation zuhanden der Sanktionskommission einen Sanktionsantrag. Zwecks Wahrung des rechtlichen Gehörs wird dieser Antrag dem Emittenten mit Fristansetzung zur Stellungnahme unterbreitet. Eine allfällige Stellungnahme des Emittenten wird dem Sanktionsantrag beigelegt und ohne weitere Kommentierung der unabhängigen Sanktionskommission zur Beurteilung zugestellt. Der Sanktionskommission steht ein umfassender Sanktionskatalog zur Verfügung. Sämtliche rechtskräftigen Entscheide sind zu publizieren.

Publikation

Gemäss Art. 4 RLR wird die Öffentlichkeit über Verfahren im Bereich Rechnungslegung nach dem Versand eines Sanktionsbescheids an den Emittenten oder eines Sanktionsantrags an die Sanktionskommission orientiert. 

Jede Einigung sowie sämtliche rechtskräftigen Entscheide werden von SIX Exchange Regulation in zusammengefasster Form als Medienmitteilung veröffentlicht. Dabei erfolgt einerseits ein aktiver Versand und andererseits eine Aufschaltung der Medienmitteilung für drei Jahre auf der Webseite von SIX Exchange Regulation. Zusätzlich werden die Entscheide und Sanktionsbescheide anonymisiert in ihrer Vollfassung auf der Webseite von SIX Exchange Regulation veröffentlicht.